{"id":386,"date":"2018-02-20T10:15:21","date_gmt":"2018-02-20T09:15:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.laufzeitfehler.net\/?p=386"},"modified":"2018-02-11T11:03:11","modified_gmt":"2018-02-11T10:03:11","slug":"was-man-in-zeiten-des-fachkraftemangel-bedenken-sollte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.laufzeitfehler.net\/index.php\/2018\/02\/20\/was-man-in-zeiten-des-fachkraftemangel-bedenken-sollte\/","title":{"rendered":"Was man in Zeiten des Fachkr\u00e4ftemangel bedenken sollte&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Der lang angek\u00fcndigte Fachkr\u00e4ftemangel ist immer weiter sp\u00fcrbar. Wie eine Untersuchung der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit im Juni herausfand, ist die Situation f\u00fcr einige Berufe und Gegenden schon mehr als angespannt. Das betrifft eine Reihe von Handwerksberufen, Berufen bei der Pflege &#8211; <em>aber eben auch in der IT<\/em>. So liegt die durchschnittliche Vakanzzeit einer Stelle im Bereich der Softwareentwicklung bei 144 Tagen.<\/p>\n<div class=\"slate-resizable-image-embed slate-image-embed__resize-left\" data-image-href=\"http:\/\/statistik.arbeitsagentur.de\/Navigation\/Footer\/Top-Produkte\/Fachkraefteengpassanalyse-Nav.html\" data-imgsrc=\"https:\/\/media.licdn.com\/mpr\/mpr\/AAIABADGAAgAAQAAAAAAAAp_AAAAJDUzYjIwODVkLTI1MmItNGI2OC1iZWY5LTI4OTc1NGE4MTNhMg.png\"><a href=\"http:\/\/statistik.arbeitsagentur.de\/Navigation\/Footer\/Top-Produkte\/Fachkraefteengpassanalyse-Nav.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"https:\/\/media.licdn.com\/mpr\/mpr\/AAIABADGAAgAAQAAAAAAAAp_AAAAJDUzYjIwODVkLTI1MmItNGI2OC1iZWY5LTI4OTc1NGE4MTNhMg.png\" data-li-src=\"https:\/\/media.licdn.com\/mpr\/mpr\/AAIABADGAAgAAQAAAAAAAAp_AAAAJDUzYjIwODVkLTI1MmItNGI2OC1iZWY5LTI4OTc1NGE4MTNhMg.png\" \/><\/a><\/div>\n<p>Wie die obenstehende Grafik aus dem Bericht der Bundesagentur deutlich zeigt, kann man in den Bundesl\u00e4ndern Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-W\u00fcrttemberg, Bayern und Sachsen bereits von einem bestehenden Engpass sprechen. In Hessen, Bremen, Hamburg, Th\u00fcringen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gibt es bereits deutliche Anzeichen f\u00fcr Engp\u00e4sse.<\/p>\n<p>Eine Vakanzzeit von 144 Tagen, wie sie die Bundesagentur f\u00fcr Entwickler ermittelt hat, wird auch f\u00fcr andere IT-Berufe gelten. Bei <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Fachkraeftemangel-Die-Kehrseite-des-Job-Booms-der-Kampf-um-die-besten-Koepfe-wird-haerter-3904790.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Heise.de<\/a> berichtet ein IT-Leiter:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;F\u00fcr einfache Bereiche Leute zu finden, geht ja noch&#8221;, schildert Kleinert die Lage. &#8220;Aber im IT-Bereich, etwa bei der Suche nach SAP-Experten, ist hier in Oberbayern ein regelrechter Kampf um die K\u00f6pfe entstanden. Je anspruchsvoller die Stelle, desto schwieriger ist es, jemand zu finden. Da nutzt auch viel Geld nichts.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn also geeignete Mitarbeiter f\u00fcr das eigene Unternehmen zu finden immer schwieriger bis gar unm\u00f6glich ist, ist es f\u00fcr den umsichtigen Team-Leiter unerl\u00e4sslich seine Mitarbeiter zu halten. Allein die Zahl von 144 Tagen Vakanz macht deutlich, dass es bei Mitarbeiter mit einer K\u00fcndigungsfrist von drei Monaten unm\u00f6glich ist, einen reibungslosen \u00dcbergang mit ausreichenden Know-How-Transfer zu organisieren. Und selbst wenn man Mitarbeiter mit K\u00fcndigungsfrist von 6 Monaten verliert, stellt dies eine gro\u00dfe Herausforderung dar. Man sollte bedenken: egal, wie gut man die eigenen Prozesse und L\u00f6sungen dokumentiert sind: zuviel Wissen steckt dennoch nur in den K\u00f6pfen, dass dann von heute auf morgen einfach aus der Firma verschwindet. Au\u00dferdem ist in der IT das Gesch\u00e4ft h\u00e4ufig von Projekten bestimmt. Wenn der Weggang kurz vor einem kritischen Meilenstein im Projekt erfolgt, ist der Schaden noch gr\u00f6\u00dfer als ohnehin schon. Die entstandene L\u00fccke m\u00fcssen au\u00dferdem die vorhandenen Mitarbeiter f\u00fcllen, bis ein Ersatz gefunden worden ist. Je l\u00e4nger das jedoch dauert, desto mehr steigt die Belastung der verbliebenen Mitarbeitern und damit auch deren Frust. Wenn dann der zweite oder dritte Mitarbeiter frustriert die Segel streicht, kann das Thema eine gef\u00e4hrliche Eigendynamik entwickeln und es setzt eine Fluchtbewegung ein, die nur noch schwer aufzuhalten ist. Und in Zeiten der sozialen Medien sollte man auch bedenken, dass es sich solche Fluchtbewegungen und allgemeine Unzufriedenheit herum spricht. Auf der einen Seite wird man auf Netzwerkseiten wie XING oder LinkedIn von Kontakten befragt, wie es ist, in der Firma XY zu arbeiten, weil ein Freund sich f\u00fcr eine Stelle dort interessiert. Auf der anderen Seite gibt es auch offene Bewertungsportale wie kununu, wo man sich schnell einen \u00dcberblick verschaffen kann, wie Bewerber, aktuelle und Ex-Mitarbeiter die jeweilige Firma sehen. Wenn da der Leumund nicht gut ist, wird es schwer neue Mitarbeiter zu finden und es dauert noch l\u00e4nger bis bestehende Vakanzen mit geeigneten Kandidaten besetzt werden k\u00f6nnen. Das frustriert die verbliebenen Mitarbeiter noch mehr und schon ist man in einem Teufelskreis, aus dem man nur schwer ausbrechen kann.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund kann es eigentlich nur ein Ziel geben: die Mitarbeiter nicht zu verlieren. Und das Bem\u00fchen hierzu muss schon sehr fr\u00fch einsetzen. Die meisten Menschen k\u00fcndigen nicht von heute auf morgen. Es ist ein langsamer Prozess und ein aufmerksamer Beobachter kann die Zeichen fr\u00fchzeitig deuten. Meistens k\u00fcndigen die Mitarbeiter, wenn sie schon eine neue Stelle in Aussicht haben und h\u00e4ufig ist es bis zu diesem Punkt ein weiter Weg. Wenn also der Mitarbeiter an der B\u00fcrot\u00fcr klopft, um sein K\u00fcndigungsschreiben abzugeben, hat man als verantwortlicher Manager bereits das Spiel verloren. Bis zu diesem Zeitpunkt hat der Mitarbeiter schon alle Phasen auf den Weg zur K\u00fcndigung durchlaufen. Es f\u00e4ngt an mit den ersten Dingen, die einen st\u00f6ren. Diese summieren sich im Laufe der Zeit zu Frustration und Demotivation. Dann m\u00fcndet das ganze in Resignation und schlie\u00dflich in dem Entschluss, dass sich die eigene Situation \u00e4ndern muss. Der Mitarbeiter f\u00fchrt Gespr\u00e4che mit anderen Unternehmen und sobald sich ein f\u00fcr ihn interessantes Angebot ergibt, ist die Entscheidung gegen den aktuellen Arbeitgeber bereits gefallen. Insofern kann man sich h\u00e4ufig die Frage &#8220;Kann man Sie noch umstimmen?&#8221; sparen. Das soll nicht hei\u00dfen, dass man nicht versuchen sollte, k\u00fcndigungswillige Mitarbeiter noch zur\u00fcck zu gewinnen. Aber es bedeutet weniger Aufwand und eine l\u00e4ngerfristige Bindung an den Mitarbeiter, wenn man es erst gar nicht so weit kommen l\u00e4sst. Und ist in meinen Augen auch erfolgversprechender&#8230;<\/p>\n<p>Wie Brigette Haycinth in einem, wie ich finde, ausgezeichneten Blog-Artikel <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/pulse\/people-dont-leave-bad-jobs-bosses-brigette-hyacinth\" target=\"_blank\">auf LinkedIn<\/a> schreibt: Eine Umfrage in den USA hat gezeigt, dass 80% der Mitarbeiter, die freiwillig k\u00fcndigen, diesen Schritt tun, weil sie mit ihrem Vorgesetzten unzufrieden sind und nicht mit dem Unternehmen. Das macht klar, dass man als Verantwortlicher es selber in der Hand hat, ob der Mitarbeiter bleibt oder nicht. Sie fasst auch zusammen, was die Mitarbeiter von Ihrem Arbeitsumfeld erwarten:<\/p>\n<ul>\n<li>Respekt<\/li>\n<li>Selbstst\u00e4ndiges Arbeiten<\/li>\n<li>Empathie<\/li>\n<li>W\u00fcrdigung der Leistung<\/li>\n<li>Weiterentwicklung<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein Vorgesetzter sollte deswegen immer ein offenes Ohr f\u00fcr die Sorgen und N\u00f6te seiner Mitarbeiter haben. Und auch wenn einem die Kritik aus der subjektiven Sicht nicht gerechtfertigt ist, sollte man diese dennoch durchaus ernst nehmen. Denn auch wenn ein Kritikpunkt vielleicht nicht nachvollziehbar erscheint, sollte sich der weitsichtige Manager durchaus die Frage stellen, warum der Mitarbeiter eben diese Kritik \u00e4u\u00dfert. Allein die Tatsache, dass mehrere Mitarbeiter die gleiche Kritik \u00e4u\u00dfern, ist ein Hinweis, dass irgendetwas im Unternehmen nicht rund l\u00e4uft. Und sei es nur in der Au\u00dfendarstellung, so dass die Mitarbeiter vielleicht zu falschen Einsch\u00e4tzungen kommen. Verletzte Eitelkeit ist in einer solchen Situation fehl am Platze, sondern muss sollte sich ernsthaft mit dem Thema auseinander. Nur so bekommt, der Mitarbeiter das Gef\u00fchl, dass er mit seinen Anliegen ernst genommen wird.<\/p>\n<p>Damit es \u00fcberhaupt so weit kommt, dass man als Verantwortlicher Kenntnis von Kritikpunkten erh\u00e4lt, muss erst einmal grundlegend ein Klima geschaffen werden, indem die Mitarbeiter sich trauen, Kritik zu \u00e4u\u00dfern. Wenn Angst und Misstrauen herrschen, kann der Manager nicht erwarten, dass er ernst gemeintes Feedback erh\u00e4lt. Im Zweifel h\u00f6rt er nur dass, was die Mitarbeiter glauben, was er h\u00f6ren m\u00f6chte. Damit bekommt er noch nicht einmal die Chance, sich eingehend mit Kritik auseinander zu setzen &#8211; selbst wenn er es wollte.<\/p>\n<p>Und so kommen wir zum eigentlichen Schl\u00fcsselfaktor, der f\u00fcr eine erfolgreiche Zusammenarbeit unersetzlich ist und der auch die oben genannten Punkte von Brigette Haycinth zusammenfasst: <strong>Vertrauen!<\/strong> Erst wenn Mitarbeiter das Gef\u00fchl haben, dass sie ihrem Vorgesetzten vertrauen k\u00f6nnen, dann kann ich als Manager auch erwarten, dass sie offen sagen, was sie st\u00f6rt. Und so habe ich als Manager \u00fcberhaupt eine Chance ein realistisches Bild von der Stimmungslage in meinem Team zu bekommen. Und man braucht ein solch realistisches Bild, um einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, wie zufrieden oder unzufrieden ein Mitarbeiter ist. Und nur wenn ich fr\u00fchzeitig merke, dass einer meiner Mitarbeiter unzufrieden ist, habe ich die Chance Gegenma\u00dfnahmen zu ergreifen, damit er nicht am Tag X mit einer K\u00fcndigung in der Hand vor meiner T\u00fcr steht. Das ist aber nur die eine Seite. Ein zufriedener Mitarbeiter, der sich wertgesch\u00e4tzt f\u00fchlt, ist motivierter, leistet mehr und ist weniger krank. Und durch die offene Kultur bekomme ich auch ein verl\u00e4ssliches Feedback auch in Bezug auf Projektfortschritte oder gar meine eigene Leistung. Denn auch das wird in vielen Unternehmen untersch\u00e4tzt: das 360-Grad-Feedback, in dem Mitarbeiter ihre Vorgesetzten beurteilen, ist ein wertvolles Werkzeug f\u00fcr den Manager sich stetig zu verbessern. Denn selbst ein erfahrener Vorgesetzter ist nicht unfehlbar und kann sich auch weiterentwickeln. Ich habe mich jedenfalls immer \u00fcber das 360-Grad-Feedback gefreut, als ich als Teamleiter das Feedback meiner Mitarbeiter bekommen habe. Im g\u00fcnstigsten Fall war es die Best\u00e4tigung meiner Arbeit. In weniger g\u00fcnstigen F\u00e4llen hat es mir wertvolle Impulse gegeben, um zu sehen, wo ich mich noch verbessern kann. Denn am Ende d\u00fcrfen selbst die Menschen in hohen verantwortungsvollen Positionen nicht vergessen: wir <strong>alle<\/strong> entwickeln uns stetig weiter.<\/p>\n<p>Deswegen ist eine offene Feedback-Kultur nicht nur ein einfaches Instrument, um die Stimmungslage der Mitarbeiter realistisch ein zu sch\u00e4tzen, sondern auch eine M\u00f6glichkeit sich selber zu hinterfragen und sich zu verbessern. Und auch das resultiert in eine h\u00f6heren Mitarbeiterzufriedenheit und damit in einer geringeren Mitarbeiterfluktuation. Und eine geringe Fluktuation l\u00e4sst die Abteilung besser in Ruhe arbeiten und sich auf die eigentlich Aufgaben konzentrieren. Am Ende &#8211; wie man so sch\u00f6n sagt &#8211; eine Win-Win-Situation!<\/p>\n<p><strong>tl;dr<\/strong>: <em>ein Unternehmen kann es sich in Zeiten des realen Fachkr\u00e4ftemangel einfach nicht leisten, wertvolle Mitarbeiter zu verlieren. <\/em><\/p>\n<p><em>Disclaimer: auch wenn alle Formen in diesem Artikel ausschlie\u00dflich maskulin waren, gelten s\u00e4mtliche Formulierungen und Schlussfolgerungen ohne Ausnahmen auch f\u00fcr das weibliche Geschlecht.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Der lang angek\u00fcndigte Fachkr\u00e4ftemangel ist immer weiter sp\u00fcrbar. 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